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Kirschbaum pflanzen, pflegen & schneiden

Ob Süßkirsche oder Sauerkirsche - wer würde nicht gern die Früchte frisch aus dem Garten naschen. Hier Tipps für eine reiche Ernte und alles, was du bei der Auswahl und der Pflege beachten musst.

Kirschen zählen zu den beliebtesten Obstgehölzen für den Garten. Die Bäume blühen traumhaft schön im Frühjahr, liefern süße – oder saure - Früchte und spenden den ganzen Sommer über Schatten. Damit du lange Freude an deinem Kirschbaum hast, hier Tipps zu Standort, Pflege, Schneiden und zur Auswahl der richtigen Sorte.

Kirschbaum – Steckbrief

Kirschbäume wachsen in Europa, der nördlichen Türkei, Kaukasien und dem Iran. Als Obstbaum werden Kirschbäume fast überall auf der nördlichen Erdhalbkugel kultiviert. Der bevorzugte Standort der Wildform sind Waldränder sowie sonnige und halbschattige Standorte.

Es gibt Süß- und Sauerkirschen. Beide gehören zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Der Namenszusatz ‚avium‘ der Süßkirschen (Prunus avium) kommt vom lateinischen Wort ‚avis‘ für Vogel und verweist darauf, dass Kirschen sehr gern von Vögeln gefressen werden. Aus der Wildform der Süßkirsche (Prunus aviumsubsp. avium) entstanden die beiden Zuchtformen Knorpelkirsche (Prunus aviumsubsp. duracina) und Herzkirsche (Prunus aviumsubsp. juliana). Diese haben größere Blätter sowie größere und süßere Früchte.

Sauerkirschen (Prunus cerasus) werden auch als Weichseln, Weichselkirschen und der Baum als Weichselbaum bezeichnet. Sauerkirschen werden in der Regel nicht so groß und wachsen als Busch, Strauch oder Baum und erreichen eine Höhe zwischen einem und 10 Metern. Ihr Wuchs ist grazil mit leicht überhängenden Ästen.

Süßkirschen werden zwischen 15 bis 20 Meter hoch und haben eine stattliche Krone. Allerdings richtet sich die Größe nach der Unterlage, auf der sie veredelt wurden, so dass es auch kleinere Exemplare gibt.

Die Rinde von Kirschbäumen ist glatt und lederartig. Charakteristisch sind die rostfarbenen Lentizellen, die als Querstreifen erkennbar sind. Die Borke löst sich langsam ab und wird deshalb Ringelborke genannt. Die Blätter sind länglich und laufen spitz zu. Sie sind zwischen 5 und 12 Zentimeter lang und haben einen grob gesägten Blattrand. Die Äste der Kirschen sind relativ dick mit vielen Kurztrieben. An diesen bildet sich der kleine, doldige Blütenstand, der zwischen 2 und 6 Blüten enthält. Die weißen Blüten haben einen Durchmesser von etwa 2,5 bis 3,5 Zentimetern. Sie haben jeweils fünf Kronblätter und Kelchblätter. Die Blütezeit liegt zwischen April und Mai.

Etwa zwei bis drei Wochen vor den Sauerkirschen blühen die Süßkirschen und treiben ihre Blätter aus. Die meisten Süßkirschenblüten brauchen einen Pollenspender, das heißt einen weiteren Baum in der Nachbarschaft.

Süßkirschen haben weniger Säure als Sauerkirschen, eine weichere Haut und Fruchtfleisch. Die Früchte der Süßkirschen sind je nach Sorte gelb, rot, dunkelrot oder gelb-rot. Die Herzkirschen sind früher reif und haben ein dunkles Fruchtfleisch. Die Knorpelkirschen reifen später. Sie sind sehr fest, platzen daher bei Regen leicht auf, da die Fruchthaut dem Druck nicht standhalten kann. Sauerkirschen haben sehr gesunde Inhaltsstoffe, die sogar die Bildung von Tumoren blockieren sollen.

Standort und Boden

Je sonniger ein Kirschbaum steht desto mehr Früchte bildet er. Achte auf den Platzbedarf, der sehr unterschiedlich sein kann. Der Kirschbaum sollte aber auch in späteren Jahren noch ausreichend Licht und Luft haben. Der Boden sollte nährstoffreich, durchlässig und tiefgründig sein. Vor allem Süßkirschen vertragen keinen verdichteten, kalten Boden. Kirschbäume werden im Frühjahr oder Herbst gepflanzt.

Kirschbaum pflanzen

  • Beim Pflanzen eines Kirschbaums sollte das Pflanzloch doppelt so groß wie der Wurzelballen sein. Pflanze den Kirschbaum so tief wie er im Pflanzcontainer war. Bei wurzelnackten Pflanzen kannst du dich an der Veredelungsstelle orientieren. Diese muss etwa 10 Zentimeter über der Erde liegen.

  • Stelle den Wurzelballen für ein paar Stunden in einen Eimer mit Wasser. Falls die Erde im Pflanzcontainer feucht war, ist das nicht unbedingt erfoderlich.

  • Bei wurzelnackten Gehölzen ritze die Wurzeln etwas ein. Falls das Bäumchen abgestorbene Wurzeln hat werden diese abgeschnitten. Bei Containerware reiße den Wurzelballen mit den Händen etwas auf. Dadurch wird die Wurzelbildung gefördert.

  • Schlage nach dem Einsetzen des Kirschbaums einen Stützpfahl neben den Stamm in die Erde, damit der Baum Wind und Wetter trotzen kann. Der Stützpfahl wird auf der Westseite des Baums eingegraben, so dass der Wind das Bäumchen vom Pfahl weggedrückt.

  • Fülle dann das Pflanzloch mit Erde auf. Bilde rund um den Stamm einen Gießrand, indem du die Erde mit den Füßen etwas fest trittst. Gieße so viel Wasser in den Gießrand bis er gefüllt ist und das Wasser langsam versickert. Durch dieses so genannte Verschlämmen verhinderst du, dass in der Erde Hohlräume bleiben.

  • Binde den Baum an den Stützpfahl an. Der Baum darf nicht zu fest angebunden sein. Auf keinen Fall darf die Rinde verletzt werden. Verwende am besten ein Kokosseil. Dies verrottet nach etwa zwei Jahren und fällt ab. So wird die Rinde des Baums nicht verletzt, dalls du vergessen solltest, das Seil zu entfernen. Außerdem ist es nachhaltiger, da es keinen Müll verursacht.

Kirschbaum pflegen

Im Frühjahr brauchen Kirschbäume eine Portion Kompost als Dünger. Das Mulchen de Baumscheibe versorgt den Baum über einen längeren Zeitraum mit Nährstoffen. Bis zur Ernte müssen vor allem junge Bäume gegossen werden, damit die Kirschen nicht aufplatzen.

Ein Kalkanstrich des Stamms im Herbst schützt den Stamm vor dem Aufplatzen der Rinde im Winter. Durch den weißen Anstrich wird die Sonnenwärme reflektiert, so dass sich der Stamm tagsüber nicht so sehr erwärmt. Der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wird so reduziert. Dieser ist vor allem für die Bildung von Rissen in der Rinde verantwortlich.

Junifruchtfall

Werden Kirschbäume während der Fruchtentwicklung bei Trockenheit zu wenig gegossen, kann es zu dem so genannten Junifruchtfall kommen. Der Baum wirft viele Früchte ab, um die verbleibenden besser versorgen zu können. Zum Junifruchtfall kommt es auch, wenn der Baum zu wenig mit Nährstoffen versorgt wird.

Kirschen ernten

Süßkirschen werden am besten mit Stiel gepflückt, da sie dann länger haltbar sind. Wer nur vom Baum naschen möchte, kann die Früchte einfach abdrehen. Sauerkirschen lösen sich schwer vom Stiel. Am besten schneidest du die Früchte mit der Schere vom Baum.

Kirschen verwerten

Süßkirschen kannst du frisch vom Baum naschen. Sauerkirschen werden wegen ihres saueren Geschmacks meist zu Marmelade oder Konfitüre verarbeitet. Vor jedem Verarbeiten von Kirschen müssen diese entsteint werden. Bei vielen Kirschen lohnt sich die Anschaffung eines Kirschentkerners.

Tipp: Kirschen lassen sich leichter entkernen, wenn die leicht angefroren sind.

Kirschkerne nutzen

Nicht nur das Fruchtfleisch ist wertvoll, sindern auch die Kerne. Getrocknet kannst du sie für ein Kirschkernkissen verwenden. Diese werden zur Wärmeanwendung bei Bauchschmerzen oder Verspannungen verwendet. Dazu wird das Kirschkernkissen bei mittlerer Temperatur in der Mikrowelle erwärmt. Vor der Anwendung bitte immer die Temperatur prüfen.

Kirschbaum schneiden

Kirschbäume sollten regelmäßig geschnitten werden. Alle kranken, dürren und nach innen wachsende Äste müssen entfernt werden. Steil nach oben wachsende, einjährige Triebe kannst du einfach herausbrechen. Am besten schneidest du deinen Kirschbaum während oder direkt nach der Ernte. Dann treibt er im nächsten Jahr nicht so stark aus und die Wunden haben Zeit bis zum Herbst zu verheilen.

Damit die Seitenäste sich nicht zu einem Konkurrenztrieb für den Mitteltrieb werden, müssen sie entfernt werden, wenn sie etwa zwei Drittel so stark sind wie der Haupttrieb. Der Seitenast wird nicht direkt am Stamm abgesägt, um eine große Wunde zu vermeiden. Der Seitentrieb wird auf einen jüngeren Trieb umgeleitet. Ist das nicht möglich, lasse etwa 10 – 20 Zentimeter lange Zapfen des Astes stehen.

Wehrhafter Kirschbaum

Am Ende jeden Blattsiels sitzen zwei Nektardrüsen (extraflorale Nektarien). Diese produzieren in den ersten Wochen nach dem Nektaraustrieb besonders viel von dem Zuckersaft. Damit locken sie Ameisen an, die Schadinsekten, vor allem über die noch kleinen Raupen von Schmetterlingen, fressen.

Sortentipps

Die Auswahl der passenden Sorte hängt natürlich vom Geschmack der Früchte ab. Du solltest dich aber auch danach richten, welche Sorten in deiner Region heimisch sind. Hier geben die regionalen Gartenakademien Auskunft. Auch der Platz, den du für einen Kirschbaum zur Verfügung hast, ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl des passenden Baums. Wie groß ein Baum wird, hängt von der Unterlage ab, auf der er veredelt wurde. Wird der Baum auf einer Höhe von 150 Zentimetern veredelt, so wird er ein Halbstamm. Bei einer Veredelungshöhe von 180 Zentimetern wird der Baum sehr groß und stattlich.

Schädlinge

Kirschliebhaber fürchten am meisten die Kirschfruchtfliege. Diese setzt ihre Eier in die Früchte, in denen sie zu weißen Maden heranwachsen. Der effektivste Schutz ist eine Abdeckung mit engmaschigen Netzen. Frühe Sorten werden meist verschont. Allerdings ist die Konkurrenz um die ersten Kirschen mit den Vögeln sehr groß. Wenn du nicht bereit bist, die süßen Früchte mit den Tieren zu teilen, musst du die Bäume mit Netzen abdecken – und diese regelmäßig kontrollieren, damit sich kein Vogel verfängt.

Sauerkirschen leiden häufig an der Monilla-Fruchtfäule, einer Pilzerkrankung. Vor allem in einem regnerischen Frühjahr steigt das Infektionsrisiko.

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Diese Gartenideen wurden verfasst von der Redaktion freudengarten.


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Foto Kirschen: Bild von Nicky


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