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Romantischer Staudengarten am Bach

Ein romantischer Garten ist der Traum vieler Gärtner. Eine Gartenexpertin verrät ihre Geheimnisse für einen Garten, in dem es den Sommer über blüht und warum das Gärtnern für sie so wichtig ist.

Schon der Eingang zu Ursula Haubers Reich ist sehr romantisch. Eine Akebie windet sich an einem Bogen über das schmiedeeiserne Tor. Durch die Stäbe erhascht man einen Blick auf blühende Stauden. Und schon ist die Neugierde geweckt. Welche Pflanzen, Beete und Gartenausblicke erwarten den Besucher, wenn er den gewundenen Weg entlang geht? Ursula Hauber verrät, warum Schneeglöckchen ihre Lieblingspflanzen sind und was ihre Geheimnisse bei der Anlage eines Garten sind.

Bitte beschreiben Sie Ihren Garten für uns

Mein Garten ist romantisch, natürlich, nicht gestylt. Eine Besucherin hat mir ein sehr schönes Kompliment gemacht und sagte: „Ihr Garten sieht so natürlich aus, als ob alles wachsen dürfte wie es will.“ Das darf es natürlich nicht...

Steckt denn viel Planung hinter Ihrem wildromantischen Garten?

Ja, auf jeden Fall. Ich lege großen Wert auf die Farbharmonie und auch die Blattstrukturen. So pflanze ich zum Beispiel gern Stauden mit geschlitzten Blättern zu Stauden mit sehr feinen Blättern. Und auch wenn mein Garten so aussieht als ob alles frei wachsen dürfte, greife ich schon korrigierend ein, wenn zum Beispiel eine Pflanze von anderen zu sehr bedrängt wird. Ich habe eine genaue Vorstellung, wie es aussehen soll. Aber man kann nur die Richtung vorgeben. Die Pflanzen entwickeln sich eben unterschiedlich

Es gibt ja sehr viele Stauden in Ihrem Garten.

Ja, der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Stauden. Ich habe zwar auch Rosen und Sträucher. Aber mit Stauden kann ich den Garten so gestalten, dass es von Frühjahr bis Herbst blüht, und der Garten abwechslungsreich und interessant ist. Im Herbst haben die Gräser und Astern ihren Auftritt. Ganz bald im Frühjahr blüht die Winterblüte. Ihre cremeweißen, kleinen Blüten duften wunderbar. Und sie sieht sehr schön zu meinen Schneeglöckchen aus.

Wie kam es denn, dass Sie zum Gartenfan wurden?

Ich kann mich noch genau erinnern. Es war ein an einem heißen Sonntagnachmittag im Jahr 1989. Ich war mit meinem Sohn, der gerade laufen lernte, draußen am Rand einer Wiese, die für Viehfutter gemäht wurde. Wir standen in der Sonne, es gab keinen Baum, der Schatten spendete. Damals fiel es mir zum ersten Mal auf, dass ich es nicht schön fand. Daher begann ich, an einer Ecke der Wiese, Blumen zu pflanzen. Ich begann mich mit Gärten und Pflanzen zu beschäftigen und wandelte im Lauf der Jahre, Stück für Stück, die Wiese in einen Garten um. Ich hatte anfangs keine Vorstellungen, wie der Garten aussehen sollte oder wie groß er werden würde. Ich begann einfach damit, die Kinder spielten draußen und ich hatte sie bei der Gartenarbeit im Blick. Die Ideen, wie ich meinen Garten gestalten wollte, kamen mir während ich im Garten arbeitete. Wichtig war dann noch der Austausch mit anderen Gartenfreunden. In meinem Ort Freiamt gab es damals den Verein Förderkreis Kurgarten Freiamt e.V. Diesem schloss ich mich an und lernte viele andere Pflanzenfreunde kennen. Daraus entstanden Freundschaften, die teilweise bis heute andauern.

Der Austausch mit anderen Gartenfreunden ist Ihnen also sehr wichtig?

Ja, auf jeden Fall. Als ich meinen Garten etwa 10 Jahre hatte, hat der Landkreis Emmendingen zum ersten Mal die Aktion „Tag der offenen Gartentür“ gestartet. Im ersten Jahr nahm ich noch nicht teil, ich habe es mir da noch nicht getraut. Im zweiten Jahr öffnete ich dann meinen Garten und es war ein großer Erfolg. Seitdem mache ich fast immer beim „Tag der offenen Gartentür“ mit, ab und zu pausiere ich ein Jahr.

Aber Sie machen nicht nur am „Tag der offenen Gartentür“ mit, sondern...

... ich öffne zwischen April und Oktober jeden zweiten Sonntag im Monat meinen Garten für Besucher. Ich kam auf die Idee, weil ein ‚Kollege‘ vom „Tag der offenen Gartenpforte“ dies machte und mich fragte, ob ich nicht auch daran Interesse hätte. Seitdem mache ich das, und es bereitet viel Freude. Da ich einen kleinen Kostenbeitrag verlange, kommen nur Besucher, die sich sehr für Gärten und Pflanzen interessieren. So komme ich mit anderen Gartenfreunden ins Fachsimpeln, das ist sehr schön.

Was sind Ihre Lieblingspflanzen?

Ganz klar Schneeglöckchen. Ich war schon immer fasziniert von diesen kleinen Pflanzen, die schon blühen, wenn noch Schnee liegt und die wieder aufstehen, wenn es nochmals auf sie schneit. Das waren die ersten Blumenzwiebeln, die ich gesteckt habe, als ich mit meinem Garten anfing. Meine Liebe zu den Schneeglöckchen hat mich auch auf eine Gartenreise nach England geführt. In England gibt es viele Parks und Gärten, in denen sehr viele Schneeglöckchen blühen und die Schneeglöckchen-Touren oder -Wanderungen anbieten. Diese Reise war wunderbar. Nicht nur die vielen verschiedenen Sorten der Schneeglöckchen faszinierten mich, sondern auch die schön gestalteten Winter- und Frühlingsgärten mit vielen Alpenveilchen, Sträuchern mit bizarrem Wuchs oder auffälliger Rinde ebenso die vielen Hartriegelsorten. Ein weiterer Vorteil dieser Reise nach England ist die Jahreszeit. Im Winter habe ich im Garten nichts zu tun und kann sehr gut verreisen.

Neben den Schneeglöckchen mag ich auch die Storchschnäbel sehr gern, weil sie so lockere und leichte Blüten haben und Gräser. Außerdem finde ich Kerzenknöterich toll. Da gibt es eine so große Sortenvielfalt. Die Kerzenknöteriche blühen bei mir von Juli bis in den Herbst, das ist ein sehr schönes Bild.

Noch ein paar Sätze zur Gartendeko. Wie halten Sie es damit?

Ich mag es, ausrangierte Gegenstände in den Garten zu integrieren. Ich habe zum Beispiel einen alten Pflug im Beet stehen. Der sieht da aus, als ob ihn jemand vergessen hätte.

Was ist Ihr Lieblingsplatz im Garten?

Am liebsten sitze ich unter der Linde. Von dort kann ich den ganzen Garten überblicken.

Welchen Rat würden Sie angehenden Gartenbesitzern geben?

Ich würde einem Garten-Neuling sagen: „Fang´ einfach an!“ So habe ich es ja auch gemacht und habe mich nicht mit langen Plänen aufgehalten. Wenn man klein anfängt und es gelingt, treibt einen das weiter.

Haben Sie noch einen Tipp für einen interessanten Garten?

Ich habe viele „Wanderpflanzen“ in meinem Garten. Das sind Pflanzen, die sich selbst aussäen. Sie suchen sich ihren Platz selbst aus und es ergeben sich immer neue Gartenbilder. Spannend ist auch, dass sie an Plätzen wachsen, wo man nie auf die Idee gekommen wäre, sie zu pflanzen.

Gibt es noch Wünsche, die Sie in Ihrem Garten verwirklichen möchten?

Ja, ich hätte sehr gern ein Gewächshaus zum Überwintern meiner Duftgeranien. Aber der Platz reicht leider dafür nicht. Für den Anbau von Gemüse würde ich das Gewächshaus nicht verwenden. Ich baue zwar ein wenig Gemüse an, wie Zucchini oder Salat und habe auch Kräuter im Garten. Der Schwerpunkt liegt aber auf den Blumen.

Wurden Sie von Ihrer Familie mit Ihrer Gartenleidenschaft unterstützt?

Ja, auf jeden Fall. Mein Mann hat meine Gartenbegeisterung immer unterstützt. Er ist der große Gießer bei uns im Garten und genießt es, sich im Garten aufzuhalten. Das ist für mich sehr wichtig, dass er hinter meiner Gartenleidenschaft stand und steht.

Bitte jetzt eine spontane Antwort. Bitte vollenden Sie den Satz: „In meinen Garten zu kommen bedeutet für mich ...“

Ruhe und einfach Freude. Mein Garten lacht mit mir und weint mit mir. Er ist mir ein guter Begleiter. Wenn es mir einmal nicht so gut geht, gehe ich in den Garten. Hinterher geht es mir dann besser.

Mehr über Ursula Haubers Garten erfährst du hier

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