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Giersch loswerden

Ich fühle mich wie der Terminator, wenn ich den Garten scanne und eine Gierschpflanze erkenne. Hasta la vista, Giersch!

Eine gute Sache hat der Wahnsinn ja schon, die Gierschpflanzen kommen bei mir nicht weit.

Der Giersch – das Lieblingsunkraut der Deutschen

Es gibt unzählige Unkräuter, die uns auf die Nerven gehen. Da gibt es die Quecke oder die Ackerwinde, aber der Giersch ist der König. Problematisch wird er, wenn er sich in Staudenbeeten ausbreitet. Die Rhizome wachsen in die Wurzeln der Stauden rein und es sieht so aus, als ob der Gärtner hier verloren hat.

Kenne deinen Feind – der Giersch

Zu finden ist der Giersch (Aegopodium podagraria) hauptsächlich in Europa und Asien. Er vermehrt sich stark über unterirdische Rhizome und Versamung. Er ist in der Regel 30 cm hoch bei uns, er kann aber durchaus auch eine Höhe von einem Meter schaffen. Typisch sind die kantig gefurchten Stängel und dieses typische Gierscharoma, was mich irgendwie an den Holunderschnittgeruch erinnert. Er liebt schwere, nährstoff- und humusreiche Böden, bevorzugt im lichten Schatten. Hier streckt er seine Rhizome in die ganze Welt hinaus und aus der Erde guckt ein Gierschteppich, der sich auch noch gerne aussamt. Viel Spaß.

Bekämpfung vom Giersch – was nicht geht

Was gar nicht geht sind Hausfrauentipps – ich nenn sie mal so. Im Internet finde ich regelmäßig Tipps wie Essig, Salz oder Unkrautvernichter.

Unkrautvernichter geht gar nicht, denn ein Mittel kann nicht zwischen gut und böse unterscheiden. Auch wenn auf der Packung “Gierschvernichter” steht, wenn das Mittel auf Kulturpflanzen fällt, ist die Pflanze dahin.

Und Unkrautvernichter sind sowas von out – ja out. Oldschool, altmodisch und spießig. Der Mensch hat schließlich Hände, Grips und Ausdauer und damit kann man der Gierschpflanze am Besten an den Kragen gehen.

Ja, dann gibt es noch den Tipp mit Essig und Salz. Wenn du dir deinen Boden ruinieren willst, dann machst du genau das. Nicht nur, dass es verboten ist (da kein anerkannter Unkrautvernichter), es hat lediglich einen kurzen Erfolg. Der Giersch mag eingehen, das Essig und das Salz bleiben im Boden und verhindern das Wachstum anderer Pflanzen, während nach kurzer Zeit der Giersch und Unkraut (was alles überlebt!) wieder gedeiht und blüht.

Aber jetzt – der Höhepunkt dieses Absatzes – kommt mein Lieblingstipp bzgl. der Bekämpfung von Giersch. Giersch ist ein Wildgemüse, welches tatsächlich gegessen werden kann. Und der Höhepunkt ist nicht wegen “eßbar”, ich meine es eher ironisch. Ich müsste Tonnen von Giersch essen, um ihn tatsächlich zu Leibe zu rücken, wobei er mir dann eher zu Leibe rückt.

Bekämpfung vom Giersch – was geht

Wir gehen mal vom Worst-Case aus

Der Giersch hat sich im kompletten Garten ausgebreitet und feiert sein Alleindasein, du bist ständig den Tränen nahe, wenn du in den Garten blickst und wünscht dem Giersch die Pest an den Hals. Sehr gut, sei Gott, sei die Pest. Der kommende Herbst ist ideal um die Pest zu sein – hey ideales Halloweenkostüm by the way.

Jetzt mal positiv gesehen: Wenn du die Pest des Giersch bist, kannst du ihn jetzt vernichten und deinen Garten endlich umgestalten, so wie du ihn wolltest.

Das erfolgreichste und einfachste Mittel ist lichtdichte Folie über den Boden zu legen. Als wir unseren Teich entfernt haben, haben wir diese Folie zum Überdecken eines Girschanzuchtsfeldes genutzt. Der August ist dafür ideal. Wenn im August ein Gierschfeld abgedeckt wird, kann dieser ein Jahr liegen bleiben. Bereits diese kurze Zeit reicht, damit ein Großteil der Gierschpflanzen das Zeitliche gesegnet haben. Und der August im kommenden Jahr ist dann ideal, um den Garten neu zu gestalten und im September können dann die neuen Stauden gepflanzt werden.

Zugegebenermaßen sieht dann das eine Jahr optisch nicht gut aus. Besuch in dieser Zeit zu empfangen wäre evtl. auch nicht so prickelnd. Aber man könnte zur Not, wenn Schwiegermutter dringend auf einen Besuch besteht, auch Pappe oder Vlies verwenden, 10 cm Rindenmulch draufschmeißen und Schlitze in die Pappe/Vlies schneiden und doch paar Stauden einpflanzen. Kübel könnte man auch draufstellen.

Die letzte Möglichkeit ist, dass du Kartoffelbauer wirst. Ja, Kartoffel sind Unkrautvernichter, sie unterdrücken mit ihrem vielen Blattwerk das Unkraut. Zudem saugen die Kartoffeln gerne Wasser und Nährstoffe ab – und viel Wasser mit Nährstoffen liebt der Giersch. Zudem lockern Kartoffel wunderbar den Boden, also ideal für den neuen Garten. Eine weitere Konkurrenzpflanze zum Giersch ist die Elfenblume. Diese wächst auch unter Bäumen und Hecken sehr gut.

Fazit: Es ist leider so, wenn der Giersch in Staudenbeeten feiert, bleibt nur die komplette Neuanlage. Wenn du deine Stauden retten möchtest, so bleibt nur das Herausgraben der Stauden und das vorsichtige Rausziehen der Giersch-Rhizome. Die Stauden können dann für das eine Jahr in Töpfe gepflanzt werden.

Wir gehen mal vom Best-Case aus

Glücklich kann man sich schätzen, wenn der Giersch nur mal hier und dort auftaucht. Dann heißt es rausholen. Und diese Arbeit erledigst du am Besten im zeitigen Frühjahr. Wichtig ist hierbei den Giersch nicht einfach bodennah zu kappen. Bestenfalls holst du den gesamten Rhizom raus – dieser ist reinweiß und bricht auch noch gefühlt bei jeder Berührung. Für diese Arbeit ist die Grabegabel dein Lichtschwert. Dieses Wurzelgeflecht muss raus, sonst treibt es neu wieder aus. Und das ist auch das Problem, Giersch liebt schweren Boden und dieser ist leider schwer zu beackern. Ausdauer, Mut und Stärke du jetzt brauchen. Keinesfalls solltest du den Boden jetzt hacken oder umgraben. Durch das Umgraben vermehren sich lediglich die Rhizome und es ist schlimmer wie vorher! Diese Arbeit kannst du dir sparen.

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg

Wenn du das alles geschafft hast, darfst du dich nicht auf deinem Erfolg ausruhen. Es überleben dennoch wenige Gierschpflanzen bzw. Gierschsamen. Du solltest regelmäßig danach die Beete überprüfen und die letzten Überlebenden rausholen. Wichtig ist auch, dass du den Boden danach Bepflanzt. Die beste Konkurrenz sind Stauden und ein zugewachsener Boden – aber dennoch immer zwischen den neuen Pflanzen prüfen, ob der Giersch nicht durchgekommen ist.


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