In meinem Staudenbeet wächst ein Stinkender Nieswurz (Helleborus foetidus). Ich liebe diese Staude und ihre schönen hell- bis gelbgrüne Blüten, die sich dunkelgrün bis bräunlich verfärben, bis die Samenkapseln reifen. Meine Freude war so groß wie mein Staunen als plötzlich an vielen anderen Stellen im Beet neue Nieswurze wuchsen. Doch woher kamen diese Pflanzen? Sie wuchsen viel zu weit weg von meinem ersten Nieswurz als dass sie aus heruntergefallenen Samen hätten wachsen können.
Ameisen verbreiten Samen
Ameisen helfen bei der Verbreitung bestimmter Pflanzen mit, indem sie die Samen wegtragen. Das machen sie natürlich nicht uneigennützig. Vielmehr haben sich die Pflanzen einen Trick einfallen lassen, damit ihre Samen von Ameisen weggetragen und so ihre Verbreitung gesichert wird. Daher tragen die Samen einiger Pflanzen protein- und fettreiche Fraßkörperchen, sogenannte Elaiosomen. Das Elaiosom enthält Glukose, Fette, Fruktose und Vitamin C und ist damit ein wertvoller Nahrungslieferant für Ameisen
Die Ameisen sind an diesen Fraßkörperchen interessiert und wollen sie fressen. Da sie aber fest mit dem Samen verbunden sind, müssen die Ameisen die Samen zu ihrem Nest schleppen. Nachdem die Ameisen die Nährstoffe abgefressen haben, labndet der Samen auf dem Abfallhaufen der Ameisenkolonie.
Diese Art der Verbreitung von Samen nennt man Myrmekochorie. Der Name leitet sich von dem griechischen Wort "myrmex" für Ameise und "chorein" für fortbewegen ab.
Welche Pflanzen nutzen Myrmekochorie?
Über 3000 Pflanzenarten nutzen diese Verbreitungsform nutzen, darunter viele Frühblüher und Waldbodenpflanzen, wie zum Beispiel:
- Schneeglöckchen, Leberblümchen, Schöllkraut, Frühlings-Adonisröschen, Lerchensporn, einige Veilchenarten, Herbstzeitlose Gehölze wie Buchs und Besenginster
- Stinkende Nieswurz und Bärlauch sowie Buschwindröschen
- Verschiedene Taubnesselarten
- Ehrenpreis
Warum betreiben Pflanzen Myrmekochorie?
Für die Pflanzen bietet die Verbreitung der Samen durch Ameisen viele Vorteile:
Schutz vor Umweltextremen und Fressfeinden: Wenn die Ameisen die Samen ins Nest tragen, sind sie dort vor Fressfeiden und extremer Sommerhitze geschützt.
Guter Keimplatz: In den Nestern oder dem Abfallhaufen ist der Boden locker und in der Regel nährstoffreich – ideale Bedingungen für Samen zum Keimen und für Keimlinge zum Wachsen.
Die Mutter- und die Tochterpflanze treten nicht in Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser und Licht, da der Samen ein gutes Stück entfernt von der Elternpflanze aufgeht.
Erleichterte Keimung: Wenn die Ameisen das Elaiosom abfressen, wird die Schale des Samens oft verletzt. Das erleichtert die Keimung.
Einen Nachteil hat diese Strategie der Samenverbreitung. Das Elaiosom steckt voller Energie, dient aber nur dazu, Ameisen anzulocken und steht dem Keimling nicht mehr zur Verfügung. Daher können Pflanzen, die auf diese Verbreitungsart setzen, nur wenige Samen bilden.
Bildnachweis:
Foto Ameise mit Blüte von Leona2013
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