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Vorgartenranger werden! 2. Station: Bodenkunde

Ein Vorgarten braucht richtigen Boden, denn dieser ist Grundlage für das Wachstum unserer Pflanzen. Bodenkunde heißt das Zauberwort. Es ist wie mit unserem Kopf, wenn wir unsere Kopfhaut nicht pflegen, wächst da nur Stroh.

Bodenkunde – die Bodenart (Mineralische Komponente)

Der erste Schritt, noch bevor du zum Spaten greifst, ist die Bestimmung deiner Bodenart. Das lässt sich auf eine leichte Art klären, die evtl. noch aus der Kindheit bekannt ist. Greif in deinen Boden und drücke die handvoll Erde mit deiner Hand zusammen. Öffne deine Hand und schau hin wie sie aussieht.

  • Sandboden: dein Boden hat eine sehr körnige Textur, die ganz klar zu fühlen ist. Der Boden lässt sich überhaupt nicht formen. An sich bleibt deine Hand fast sauber.
  • Lehmboden (Schluffboden, gleicher Teil Sand und Ton): dein Boden fühlt sich glatt an und klebt nicht. Er hält einigermaßen zusammen. deine Handlinien sind mit Erde gefüllt.
  • Tonboden: dein Boden fühlt sich glatt und klebrig an. Du kannst den Boden wie Ton gut formen. Der Boden ist glänzend.

Sandboden – leichter Boden

Vorteile:

  • Wasserführung ist optimal / schnelle Versickerung
  • Gute Durchlüftung des Bodens
  • Gute Durchwurzelbarkeit für die Pflanzen
  • Leichte Bearbeitung des Bodens möglich

Nachteile:

  • Schnelle Austrocknung des Bodens
  • Geringes Nährstoffhaltevermögen
  • Geringer Nährstoffgehalt

Tonboden – schwerer Boden

Vorteile:

  • Sehr gutes Wasserhaltevermögen
  • Hohes Nährstoffhaltevermögen
  • Guter Nährstoffgehalt

Nachteile:

  • Keine gute Wasserführung (Gefahr von Staunässe)
  • Schlechte Durchlüftung
  • Durchwurzelbarkeit für die Pflanzen ist kaum gegeben
  • Schwer zu bearbeitender Boden **

Lehmboden / Schluffboden**

Dieser nimmt eine Mittelstellung zwischen Sand- und Tonboden ein. Der Lehmboden ist ein idealer Gartenboden.

Bodenkunde – organische Komponente

Die organische Bodenbestandteile setzen sich aus der Bodenflora und der Bodenfauna zusammen. Die Bodenflora sind die ganzen kleinen Lebenwesen, wie Bakterien, Algen, Flechten und Pilze. Sozusagen die Mikroorganismen. Diese kleinen Helfer zersetzen den ganzen lieben Tag alles was ihnen in den Weg kommt und stellen für unsere Pflanzen – als kleine Fabrikproduzenten – die Nährstoffversorgung sicher.

Die Bodenfauna sind die ganzen tierischen Zerkleinerer, wie bspw. der Regenwurm, Ohrwurm und die Schnecken. Die raspeln alles klein, ein Idealer Fressort für die Mikroorganismen, die sich genau darauf stürzen. Am Ende dieses Festmahls von Bodenflora und Bodenfauna entsteht das wertvollste Gut eines Gärtners: Humus.

Humus

Humus ist die abgestorbene und mehr oder weniger zersetzte organische Substanz eines Bodens. Der ideale Boden ist humushaltig oder humos. Dies liegt vor, wenn der Boden mind. 1% bis 4% organische Substanz besitzt.

Fazit: der Beste Gartenboden

Also, ein guter Gartenboden ist eine Mischung aus Sand- und Tonboden. Diese Mischung aus unterschiedlichen Korngrößen gewährleisten praktisch die Vorteile aus den beiden Bodenarten Sand- und Lehmboden. Das heißt, ein guter Gartenboden hat eine krümelige Struktur, die gut Wasser und Nährstoffe speichern kann und auch für uns noch gut zu bearbeiten ist. Neben der mineralischen Komponente spielt auch der Humusgehalt eine wichtige Rolle.

In der unten gezeigten Grafik siehst du, dass die Krümel relativ groß sind und mit dem Rechen bearbeitet werden. Dies bringt nur kurzfristigen Erfolg, nach einer gewissen Zeit sind die großen Brocken wieder da. Beiden Böden fehlt es etwas an Humus. Mit Humus bilden sich kleine Krümel, der Boden muss selten bearbeitet werden.

Wenn dein Boden locker, aber nicht sandig ist und dazu relativ dunkel aussieht, aber nicht formbar ist und schön nach Erde riecht, dann hast du einen guten Boden. Ein guter Boden sieht so aus:

Sicherheit mit einem Bodentest

Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, deinen Boden vorab untersuchen zu lassen. Mit einer Bodenprobe bist du immer auf der sicheren Seite. Mit einem Bodentest wird eine Nährstoffananlyse durchgeführt und der ph-Wert des Bodens getestet. Es kostet nicht die Welt und ist auch nicht kompliziert. Eine genaue Anleitung zur Probeentnahme findest du bspw. hier: https://www.lufa-speyer.de/index.php/dienstleistungen/bodenuntersuchung-duengeberatung

Bodenverbesserung

Eins möchte ich betonen: einen Boden komplett zu ändern ist nicht möglich. Aus einem Sandboden wirst du kaum einen Lehmboden zaubern können. Der Aufwand hierzu ist viel zu aufwendig und nicht effizient. Wir können nur das Beste daraus machen.

Bodenverbesserung für leichte Sandböden

Leichte Sandböden können die Nährstoffe kaum halten. Der Umkehrschluss ist also, dass bei einem Sandboden vorab gedüngt werden muss.

Aber: auf Gefühl zu düngen bringt nix! Ohne eine Bodenprobe bzw. einen Bodentest gehts nicht. Nachdem die Bodenprobe untersucht wurde, erhälst du mit dem Ergebnis eine optimale Düngerempfehlung.

Nun kommt es darauf an, wie dein Boden “belebt” ist. Wenn du ein Neubaugebietboden hast empfehle ich als erste Düngung eher einen mineralischen Dünger, auch wenn ich davon kein Fan bin. Aber mit einem toten Boden, der oftmals im Neubaugebiet vorliegt, bringt ein organischer Dünger nix, weil es wenig Mikroorganismen gibt, die diesen organischen Dünger zersetzen können. Sollte dein Boden ausreichend Bodenlebewesen haben (Regenwürmer, Schnecken etc.) dann empfehle ich einen organischen Dünger.

Kompost oder Stallmist ist ideal für einen leichten Sandboden. Der Sandboden kann dann eine zeitlang Nährstoffe und Wasser halten.

Bodenverbesserung für schweren Boden

Schwere Böden können Nährstoffe sehr gut halten. I. d. R. müssen daher schwere Böden nicht so oft gedüngt werden. Auch hier gilt: eine Bodenprobe bringt Sicherheit. Was dem schweren Boden fehlt ist die Leichtigkeit, also eine krümelige lockere Bodenstruktur, die für Durchlüftung (Boden atmet! Kohlendioxid durch die Zersetzung wird heraus aus dem Boden bewegt und Sauerstoff wird in den Boden hineinbewegt) sorgt.

Auch hier sorgt der Kompost für eine lockere Bodenstruktur. Dadurch kann das Wasser auch besser abfließen, die Gefahr von Staunässen ist dann nicht groß. Eine lockere Erde sorgt dafür, dass die Wurzeln der Pflanzen sich problemlos ausbreiten kann. Neben Kompost kann schwerem Boden Sand beigemischt werden. Es gibt auch organische Zuschlagsstoffe, das sind Stoffe, die der Erde zur Verbesserung der physikalischen Eigenschaften zugegeben werden. Ein Bsp. sind Perlite, die die Luftkapazität verbessern

Der Mensch – das Universalgartengerät

Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt, um vernachlässigten Gartenboden auf Vordermann zu bringen. Dazu brauchst du: dich und deine Grabegabel. Ich sehe immernoch Gärtner, die sich mit falschem Spaten an ihrem schweren Boden abrackern. Gut, um Aggressionen abzubauen (manchmal auch aufzubauen), besser ist die Grabegabel 🙂

1. Schritt – Bodenlockerung

Dies geschieht bestenfalls im Herbst. Den Boden möglichst 30 cm tief umgraben. Im Winter wird der Frost dann in den Boden eindringen und das Bodenwasser gefrieren lassen. Das Wasser dehnt sich dabei aus und im Frühjahr hast du lockeren Boden. Wenn du einen Neubaugebietboden hast MUSS der Boden gelockert werden. Hier ist der Boden aufgrund Baustellenfahrzeugen stark verdichtet. Zudem befinden sich im Boden evtl. Bauschutt das raus muss. Sammel daher alles ab, was in einem Boden nichts zu suchen hat.

Wenn der Boden nicht gelockert wird, können die Pflanzen kein gescheites Wurzelsystem bilden. Die Pflanzen bleiben mickrig und sind anfällig für Trockenheit und Krankheiten.

Zum Bodenlockern kann die Grabegabel oder – bei größeren / schweren Flächen – eine Fräse genutzt werden.

Diesen Boden sieht man die schlechte Struktur an. Er wirkt ziemlich flach, teilweise erkennt man Moose und eine Schicht Blätter, die sich sehr langsam zersetzen, weil kein Regenwurm die Blätter in den Boden zieht.

2. Schritt – dem Boden Leben einhauchen

Nun gibt es unterschiedliche Möglichkeiten vorzugehen. Du kannst bpsw. jetzt eine Bodenprobe durchführen und entsprechend dem Ergebnis düngen. Bestenfalls vor Regenwetter, dann löst sich das Salz auf und gibt die Nährstoffe an den Boden ab. Direkt danach kannst du mit der Pflanzung beginnen. Du kannst auch zuerst Gründünger einsäen. Hier erfährst du mehr über Gründünger: https://wildes-gartenherz.de/gruenduengung-jetzt-saehen/

Wichtig ist: solltest du ein Neubaugebietgarten haben, so wirst du um den Aufbau eines Mutterbodens kaum rumkommen – und hier ist eine Gründüngung ideal. Du kannst dann im Frühjahr dein Beet gestalten.

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Fast vergessen: Bevor du das alles machst, müssen natürlich die Steine im Vorgarten weg 😀**

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