MAGAZIN

Ökologisch-botanischer Brandschutz

Weltweit zerstören Waldbrände und Feuersbrünste - anthropogen verursacht - mehr und mehr unser Ökosystem, welches gerade wir Menschen dringends als Lebensspender benötigen. Zeit für einen neuen, botanischen Ansatz.

Waldbrände und Feuersbrünste zerstören unser Ökosystem – ein paar botanische Ideen zur Prävention

Neben von uns selbst – direkt oder indirekt – verursachten Umweltkatastrophen wie Hochwasser und Überschwemmungen, Dürren und Hitzeperioden, Überhitzungen in den Metropolen und Erosionen in Landschaftsräumen, Tsunamis usw. usf. sind es insbesondere Waldbrände und Feuersbrünste, wilde und unkontrollierte Buschfeuer und Lauffeuer, die in den letzten Jahren bedrohliche Ausmaße und Intensitäten angenommen haben. Die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen sind mittlerweile massiv mit steigender Tendenz. Die Dramatik zeigt sich in der Ankunft von eigentlich unbedarften „Brandregionen“ wie Schweden, Kanada, Chile u.a. in der medialen Öffentlichkeit. Das ist neu und gefährlich.

**Feuer hinterlässt „Asche“

Feuer an sich ist ein emotional besetztes Thema, jeder, der mal am Lagerfeuer saß oder gegrillt hat, weiß das. Und Feuer ist an sich, sofern es unter Kontrolle, also quasi gesteuert ist, etwas Besinnliches, Wärmendes und Gefahrloses. Es sind aber die Extreme, die einen Grund zur Sorge bereiten – und zwar bei allen erdenklichen und leider auch stattfindenden Umweltkatastrophen.

Eigentlich ist Feuer ein natürlich vorkommendes globales Phänomen, das viele Ökosystemmuster und ökologische Prozesse grundlegend beeinflusst, einschließlich der Verteilung und Struktur der Vegetation. Die naturbedingte feuerökologische Funktion von Waldbränden und Feuersbrünste, die sich in einer Art Flurbereinigung und zur Unterstützung der Fortpflanzung von Pflanzen zeigte, hat sich jedoch buchstäblich in „Asche“ aufgelöst. Einerseits, weil nur noch knapp über ca. 4% aller Waldbrände natürlichen Ursprungs sind. Vor allem sind es die Intensitäten und die Intervalle der Waldbrände, die drastisch zunehmen und eine natürliche Regeneration nach Bränden einschränken resp. verhindern. Andererseits sind es vor allem die unkontrollierten veränderten Feuerregime, die flächendeckende wirtschaftliche und letztlich auch soziale Schäden hinterlassen, die kaum mehr in Zahlen zu fassen sind. Waldbrände und Feuersbrünste haben inzwischen Dimensionen erreicht, die vor Jahren nicht denkbar waren. Analysen von Bränden, die in den letzten 16 Jahren aus Satellitenbildern entdeckt wurden, zeigen, dass durchschnittlich rund 340 Millionen Hektar der Erde pro Jahr verbrennen. Und die Flächen nehmen jährlich um ca. 10% im Mittel zu.

Sowohl die ökologischen als auch wirtschaftlichen und letztlich insbesondere die sozialen Folgen sind drastisch – und schlimmer noch, sie werden drastischer.

Unabhängig von der Tatsache, dass sich die Schäden nicht mehr realistisch einschätzen, da die Dimensionen unvorstellbare Ausmaße angenommen haben, gibt es hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen zumindest Annäherungen. So wurde November 2018 in den USA eine Studie veröffentlicht, die den wirtschaftlichen Schaden auf ca. 400 Mrd. Dollar für die Jahre 2015-2018 beziffert. Nur in den USA und nur in diesem Zeitintervall, daraus lässt sich ableiten, dass die Schäden weltweit wesentlich höher sein werden, zumal die Auswirkungen auf den Weltmarkt noch nicht berücksichtigt sind – denn Waldbrände vernichten nicht nur Menschen, Grünflächen und Infrastrukturen, sondern auch Produktionsstandorte und „Märkte“. Ein Aspekt, der auch „Klima-Ignoranten“ Sorge bereiten sollte.

Über die Medien sind wir alle recht gut über die physikalischen Schäden von Waldbränden informiert und wie gesagt, die wirtschaftlichen Folgen sind drastisch. Aber ebenso drastisch sind die sozialen Folgen, denn mehr und mehr Menschen verlieren in diesen Waldbränden und Feuersbrünsten ihr Leben – unnötigerweise – und gleichzeitig damit auch die sozialen Strukturen. Das Gemeinwohl wird zerstört.

Aber noch bedenklicher sind die ökologischen Folgen, die Auswirkungen auf unser Ökosystem, in dem wir auch einen Part spielen. Durch die Waldbrände und Feuersbrünste werden nicht nur im beträchtlichen Maße unsere Sauerstoff-Oasen vernichtet, sondern auch die notwendigen Vegetationsflächen, die Treibhausgase und vor allem CO2-Emissionen binden. Aber schlimmer noch: Waldbrände und Feuersbrünsten produzieren selbst noch diese Emissionen, der Kompensator an sich fällt also weg. Grünflächen an sich, vor allem Wälder, können sich nicht mehr selbst regenerieren, dies bedeutet aber auch, dass die Wasserspeicherkapazität abnimmt, Erosionen nehmen dagegen zu, die Möglichkeiten, in Form von Verdunstung Hitzeperioden abzumildern schwinden…..allesamt Anzeichen für Auflösungserscheinungen oder?

Botanische Brandschützer

Wie schon erwähnt, sollte der feuerökologische Aspekt von Waldbränden und Feuersbrünste trotz der schwebenden Ohnmacht nicht außer Acht gelassen werden. Feuer haben natürlich Auswirkungen auf unser Ökosystem, darunter auch der Vegetation, daher lohnt sich der Blick auf den Ablauf von Feuer. Denn der größte Teil dieser Verbrennung konzentriert sich auf Biome wie Savannen, die um Größenordnungen mehr Feuer erleben als andere Biome - etwa 10% der Biomverbrennungen in Savannen. Dies mag unhaltbar erscheinen, aber Pflanzen haben sich in Verbindung mit Feuer entwickelt, und viele Pflanzen haben Strategien entwickelt, die es ihnen ermöglichen, Feuer zu widerstehen oder sogar zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Waldbrände und Feuersbrünste können zwar Menschenleben gefährden und mittlerweile umfangreiche drastische Schäden an Nutzpflanzen und Infrastrukturen verursachen, aber die Auswirkungen sind stark kontextabhängig und Feuer ist ein lebenswichtiger Prozess in vielen Ökosystemen. Feuer ist nicht von Natur aus schlecht.

Weltweit vernetzt und digitalisiert dienen Fire-watch-systems, satellitengesteuert, zur Beobachtung und Erfassung von brandgefährdeten Regionen samt Rahmenbedingungen. Zusätzlich werden über einzigartigen Störungsmuster in einem brandgefährdeten Gebiet in Abhängigkeit von: Brandfrequenz (Anzahl der Brände pro Zeiteinheit); Brandintervall (die Zeit zwischen den Bränden); Brandsaison (die Zeit des Auftretens von Bränden); Brandintensität (die Energieabgabe des Brandes pro Zeiteinheit); Feuerschwere (die Auswirkungen des Brandes auf Biota und Ökosysteme); und Brandgröße (flächenhafte Ausdehnung) berichtet.

Die Feuerregime sind weltweit unterschiedlich - Brände in tropischen und subtropischen Grasländern, Savannen und Strauchbiomen Australiens und Afrikas brennen häufig und großflächig, während die borealen Waldbiome Kanadas und Russlands nicht sehr oft brennen, aber wenn sie es doch tun, auch großflächig brennen können. Diese feuergefährdeten Biome enthalten oft Pflanzen mit spezifischen Anpassungen, die es ihnen ermöglichen, Brände auf drei Arten zu überleben: Schutz durch dicke, schnell wachsende Rinde, der Wiederprofilierung aus überlebenden Geweben und schließlich der Rekrutierung aus Samen. Dicke Rinde als Anpassung zum Schutz des lebenden Gewebes einer Pflanze vor Feuer kommt in zahlreichen Arten, Familien und Lebensräumen vor. Hervorzuheben sind die Korkeiche (Quercus suber), das riesige Redwood (Sequoiadendron giganteum) und die Ponderosa-Kiefer (Pinus ponderosa). Bezüglich der Wiederherstellung bieten die australischen Eukalyptusarten viele gute Beispiele für die epikormale Wiederherstellung (Wiederherstellung aus Knospen am Stamm), die eine schnelle Wiederherstellung nach Bränden ermöglicht, während Pflanzen in mediterranen Klimazonen, wie dem Erdbeerbaum (Arbutus unedo), sich von einem Brandereignis durch Nachwachsen aus geschwollenen unterirdischen Organen, den sogenannten Lignotubern, erholen können. Weitere Anpassungen umfassen die Fähigkeit einer Art, sich nach einem Brand aus Samen zu rekrutieren. Die Lodgepole Pine (Pinus contorta) in Nordamerika zum Beispiel hat serotinöse Zapfen, die erst nach Bränden Samen öffnen und freisetzen, die in der Lage sind, das Harz zu schmelzen, das die Zapfen hält, während die Keimung von Samen boronischer Arten (Rutaceae) durch Feuerspuren wie Rauch und Hitzeschock verstärkt wird. Diese feuerbeständigen Pflanzen sind jedoch an bestimmte Brandsituationen angepasst und nicht verwechseln: feuerbeständig bedeutet nicht feuerfest!!

Allerdings ist auch zu betonen, dass unter bestimmten Brandsituationen vor allem die naturbedingten Bedingungen innerhalb des Ökosystems an sich zu verstehen ist, so dass jede Änderung des räumlichen und zeitlichen Verlaufs von Bränden das lokale Überleben der Pflanzen gefährden kann. So sind beispielsweise Arten wie die Lodgepole Pinie, deren Erwachsene durch Feuer getötet werden und deren Bestand auf der Rekrutierung von Setzlingen beruht, besonders anfällig, wenn Brände in einem Gebiet häufiger auftreten als die Zeit, die sie benötigen, um reif zu werden und Saatgut zu produzieren. Ebenso könnten Arten, die auf Wiedererkundung angewiesen sind, durch eine Erhöhung der Brandintensität degradiert werden, da die dünne Rinde nur schwach vor der größeren Wärmeenergie geschützt ist.

Jede einzelne Änderung der Feuerregime, die sozusagen die ökologische Grenze durchbricht, führt zu einer Degenerierung der Artenzusammensetzung in der Vegetation und mitunter auch die Bodenbedeckung (Erosion). Mit einem sinnvollen gesteuerten Feuermanagement können wir diese Entwicklungen – vielleicht noch rechtzeitig – eindämmen, wenn wir zusätzlich noch botanische Ideen zur Prävention von Waldbränden und Feuersbrünsten einbeziehen. Denn für einen weiteren Bestand des Ökosystems (auch für unsere Ur-Enkel), für unser Überleben, brauchen wir die Pflanzenwelt, müssen wir Erosionen vermeiden, sollten wir unsere Wasserspeicher konservieren – und nicht zerstören.

Markus Meyer, (Mag. Dipl.-Ing.), A – 2340 Mödling

gartenarchitekt44@gmail.com

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