MAGAZIN

„Wenn ich einen Garten zugänglich mache, muss ich mit Kritik rechnen.“

GRÜNES BLUT trifft den Gartenblogger Detlev Brinkschulte an einem eisigen Samstag Anfang März in Ottensen. Gemeinsam besuchen wir die Thomas Gainsborough Ausstellung „Die moderne Landschaft“ in der Hamburger Kunsthalle.

**Vor einiger Zeit gewann ich Detlev als Follower für meinen Blog. Mit Blick auf seine Seite war sofort klar, dass Detlev mit „Theorie der Gartenkunst“ aus der Menge der deutschen Blogs hervorsticht. Sein Konzept, historische Zitate der Gartenliteratur in einen zeitgenössischen Kontext zu stellen, überzeugt nicht nur mich, sondern auch eine internationale Leserschaft, die Garten im Kontext von Zeitgeschehen und Politik beleuchtet sehen will. Mit viel Übersicht über Gartentheorie, Kulturlandschaft, Kunst und Fotografie, knüpft der ehemalige Fotoredakteur thematische Neuverbindungen und legt furchtlos den Finger in grüne Wunden. In den Foren der sozialen Medien gefürchtet, kann man Detlev womöglich als den Spitzbuben der deutschen Gartenszene bezeichnen, der ohne Scheu aufgeblähte Trends ins Kreuzverhör nimmt.

Bei der Recherche wird schnell klar, dass der in den Foren und Gruppen so tollkühne Blogger mit seinem wahren Leben äußerst bedacht umgeht. Kein Foto im Netz, das sich ihm eindeutig zuweisen lässt. Angaben zu seiner Person gehen über den Familienstand und die Auskunft, dass sein Vater als Gärtner tätig war, nicht hinaus und unser Treffen verlief äußerst warmherzig.**

GB: Dein Vater war Gärtner und du hast es nach eigener Aussage gehasst, im Garten mitzuhelfen. Heute sind Gärten das Thema deines Blogs „Theorie der Gartenkunst”. Was hat dich so abgeschreckt?

DB: Ich war, als ich jung war, eher ein Stubenhocker. Na ja, als Blogger sitzt man ja auch meist am Schreibtisch. Mein Vater hat bei der Stadt Münster als Gärtner gearbeitet und da bekam man als Kind schon früh viel zu viel gärtnerische Realität mit. Als Kind darfst du die coolen Sachen im Garten eh nicht machen und zwei westfälische Sturköppe in einem Garten, das funktioniert nicht. Meine grundlegende Abneigung gegen Gartenschauen kommt noch von einem Ausflug nach Bonn, Bundesgartenschau 1979. Es war Sommer, viel Hitze, kein Schatten und mein Vater nahm die Bepflanzung auseinander, schätzte die Lebenserwartung der gerade gepflanzten Bäume ab und schleifte mich über das ganze Gelände. Dabei hatte ich ihm doch gerade seinen alten Fotoapparat abgeschwatzt. Erst viel später kam dann die Entdeckung, dass bei mir doch was hängen geblieben ist. Aber als Kind hat man nun echt besseres zu tun. Heute erwische ich mich allerdings dabei, dass ich, wie mein Vater, ebenfalls nörgelnd durch öffentliche Grünflächen laufe.

GB: Was genau meinst du mit gärtnerischer Realität, die du von deinem Vater mitbekommen hast?

DB: Ich meine die Planungen am „Grünen Tisch“ im Gartenamt und die Umsetzung vor Ort. Damals gab es noch ganz andere Möglichkeiten, die Gärtner waren selbst mit allen Geräten im eigenen Revier vor Ort. Heute ist alles zentralisiert und die Gärtner haben lange Anfahrtswege. Da kannste nicht mal schnell was machen. Wenn die Werkzeuge an diesem Tag nicht eingeplant sind, liegen die weit weg auf dem Betriebshof. Weiter denke ich an den Frust, wenn eine Anlage fertig war und das Ganze am nächsten Tag schon wieder als Müllkippe genutzt wurde. Solche Themen gab es bei uns regelmäßig zum Abendbrot. Wenn mein Vater Privatgärten gemacht hat, wurde ich am Wochenende mitgenommen, um bei einer Gärtnerei oder Baumschule Pflanzen zu besorgen. Keiner dieser Betriebe existiert mehr. Sie wurden unrentabel und/oder hatten keine Nachfolger. Jetzt stehen dort Einfamilienhäuser mit Restgrundstück oder es wächst Biomasse … und die Vorstellung, bei Wind und Wetter draußen zu sein, sei gesund, ist auch so ein Märchen. Das Profilbild meines Blogs sind übrigens mein Vater und ich auf der Insel Mainau.

GB: Welcher Garten hat dich denn dann so umgehauen, dass du letztendlich doch deine Begeisterung für Gärten entdeckt hast?

DB: Mein erster Garten, der mich gepackt hat, war wohl der Barockgarten des Rüschhauses bei Münster. Von Johann Conrad Schlaun als sein Sommerhaus auf dem Land gebaut. Annette von Droste-Hülshoff hat hier später gelebt. Die barocke Struktur des Gartens mit Buchsbaum und Eibe wurde Anfang der 80er restauriert, also nachgepflanzt. Auf den ersten Blick ein typischer Münsterländer Gräftenhof. Vorne ein Bauernhof mit Misthaufen und dann hinten, auf der Gartenseite, ein Maison de plaisance mit Parterre. Die Anlage mit dem Haus, einem Lust- und einem Gemüsegarten wird durch die Gräfte, eine westfälische Bezeichnung für einen Wassergraben, zusammengehalten. Für mich, von der Struktur und Größe her, immer noch die perfekte Anlage. Die Bepflanzung zwischen dem Buxus besteht leider nur aus ödem Rasen.

GB: Bevor du dich ausschließlich mit Gartenkunst auseinander gesetzt hast, hast du noch nen Schlenker über den Kulturbetrieb genommen …

DB: An die „frische Luft“ bin ich früher freiwillig eigentlich nur mit Kamera gegangen. Fotografie, Kunst, Bücher … da tauchten Gärten immer wieder auf. Ich hab viel im Kunstbetrieb gearbeitet (... ließ das ganze Interview mit Detlev unter https://gruenesblut.net/wenn-ich-einen-garten-zugaenglich-mache-muss-ich-mit-kritik-rechnen/)

... lese, like, abonniere und teile mehr Garteninterviews auf meinem Blog: www.gruenesblut.net


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